WO KOMMT UNSERE SCHOKOLADE HER?
Mehr als 35% des Weltkakaobestandes werden an der Elfenbeinküste in Westafrika produziert.
2001 wurden Berichte publik über weit verbreitete Kinderarbeit auf Kakaofarmen an der Elfenbeinküste. (Der bekannteste Bericht ist der BBC Report "Mali’s children in chocolate slavery".) Tausende von Kindern wurden aus den umliegenden Ländern Mali und Burkina Faso sowie aus Togo verschleppt. Die Bedingungen, unter denen diese Kinder arbeiteten, wurden als gefährlich beschrieben. Sie wurden gezwungen, sehr viele Stunden am Stück zu arbeiten. 2002 wurde eine Studie des Sustainable Tree Crops Programs vorgestellt, einer Initiative des Instituts für tropische Landwirtschaft in Kamerun, der Elfenbeinküste, Ghana, Guinea und Nigeria. Diese Studie besagte, dass mindestens 284.000 Kinder in der westafrikanischen Kakaoindustrie arbeiten, die Mehrheit dieser Kinder (ca. 200.000) an der Elfenbeinküste. Weiterhin wurde aufgedeckt, dass eine beachtliche Anzahl dieser Kinderarbeiter aus Mali, Burkina Faso und Togo verschleppt worden waren. Die internationale Arbeitsorganisation (ILO) gibt derzeit neue Studien in Auftrag, um diese Forschungsergebnisse zu überprüfen. Die ILO verkennt die bisherigen Ergebnisse aber nicht, sondern berücksichtigt sie als Teil der Beweiskette zum weit verbreiteten Kinderhandel in der Kakaoindustrie.
Aufgedeckt wurde zusätzlich, dass mindestens 153.000 Kinder Pestizide aufbringen, ohne dabei mit jeglicher Schutzkleidung ausgestattet zu sein. 64% der auf den Kakaoplantagen arbeitenden Kinder waren unter 16 Jahre alt. 40% dieser Kinder waren Mädchen.
Kinderarbeit ist auf westafrikanischen Kakaoplantagen traditionell und sehr oft auf Familienfarmen anzutreffen. Ebenso ist die Migration zum Zweck der Arbeitssuche üblich. Es gibt aber Beweise dafür, dass Kinder zum Arbeiten gezwungen werden und Opfer des Verbrechens Menschenhandel wurden, was einen Missbrauch dieser Traditionen darstellt.
In Folge dieser Anschuldigungen schlugen der US-Senator Tom Harkin und der Abgeordnete Eliot Engel einen Entwurf vor. Dieser verlangte von der Schokoladenindustrie, dass sie all ihre Produkte als „sklavenfrei produziert“ zertifizierte. Die Schokoladenindustrie hat allerdings erfolgreiche Lobbyarbeit gegen dieses Gesetz betrieben, begründet damit, dass die Lieferkette für Kakao sehr unübersichtlich ist. Die Kakaobohnen werden zunächst von Zwischenhändlern eingekauft und verarbeitet, bevor sie dann an Großkonzerne wie Nestlé, ADM und Cargill weiterverkauft werden. Da diese drei den Markt kontrollieren, vertreten Nichtregierungsorganisationen wie die International Labor Rights Fund jedoch die Auffassung, dass die Großkonzerne sehr wohl festlegen können, unter welchen Bedingungen sie die Kakaobohnen einkaufen. Es wurde eingewandt, dass viele Familien ihre eigenen Kinder auf den Plantagen beschäftigen, um ihnen Fertigkeiten für ihre Zukunft zu vermitteln. Dies sind kulturell nachvollziehbare Praktiken. Aber wenn sie dazu führen, dass Kinder keine Bildung erhalten, dann müssen Veränderungen erzielt werden. Und diese Praktiken beziehen sich offensichtlich nicht auf solche Kinder, die dem Menschenhandel zum Opfer gefallen sind.
2001 wurde mit dem sogenannten Harkin-Engel-Protokoll ein Kompromiss erzielt.
In dieser Vereinbarung legte die Kakaoindustrie fest, ein Zertifizierungsprogramm auf freiwilliger Basis zu entwickeln, flächendeckend für ganz Westafrika. Ab dem 1. Juli 2005 sollte es in Kraft treten. Dieses Versprechen wurde offensichtlich nicht eingehalten. Es gab mehrere Pilotprojekte, einige Bildungskooperationen, aber es entstand wenig mehr daraus. Nach weiterem Drängen willigten die Konzerne wiederum ein, ein Zertifizierungsprogramm für die Hälfte der Kakaoanbaugebiete an der Elfenbeinküste und in Ghana bis Juli 2008 einzuführen. Aber bei genauerem Hinsehen erweist sich dies lediglich als Versprechen, Daten zu erheben, anstatt die Plantagen wirklich zu zertifizieren. Trotz der Tatsache, dass Kakao auf mehr als 1,5 Millionen Plantagen in Westafrika angebaut wird, ist ein Überwachungssystem, das den Großteil der Plantagen niemals besucht, nicht akzeptabel.
